Morbus Parkinson gilt auch heute noch als unheilbar. Doch das Fortschreiten der Erkrankung lässt sich aufhalten, die Symptome lassen sich mildern. Meist gelingt das mit Medikamenten. Auch begleitende Maßnahmen sind bei Morbus Parkinson wichtig, wie Physio- und Ergotherapie, Sprachtraining und nicht zuletzt Entspannung.Im Überblick
Medikamentöse Therapie
Generell sollte die Behandlung von Parkinson-Kranken sehr individuell gestaltet werden. Die Auswahl der Präparate erfolgt dabei nach Wirksamkeit und Verträglichkeit, und auch die Erfahrung des jeweils behandelnden Arztes spielt eine Rolle. Es stehen für die Behandlung sieben verschiedene Substanzen bzw. Substanzgruppen zur Verfügung:
↑ nach oben
Bei Betroffenen, die
unter 70 Jahre alt sind und nicht noch wesentliche Begleiterkrankungen haben, wird die Therapie mit einem Dopaminagonisten begonnen.
Bei Parkinson-Kranken, die
über 70 Jahre alt sind, oder auch bei multimorbiden Patienten jeder Altersgruppe empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie den Therapiebeginn mit einer
L-Dopa-Einzeltherapie. Sind die anfänglichen Parkinson-Symptome dieser Betroffenengruppe nur mild ausgeprägt, so kann der Beginn einer Dopamin-Ersatztherapie manchmal hinausgezögert werden, indem entweder Amantadin oder Selegilin als Einfachtherapie gegeben wird. Allerdings haben beide Medikamente unerwünschte Wirkungen, die nicht unerheblich sind und entsprechend besonders bei multimorbiden Betroffenen beachtet werden müssen.
Bei alten und kognitiv eingeschränkten Patienten dürfen Anticholinergika nicht gegeben werden, auch verbietet sich generell der Einsatz von COMT-Hemmern als Einfachtherapie, L-Dopa darf nur mit Decarboxylasehemmern gegeben werden.
↑ nach oben
Dopaminagonisten
Dopaminagonisten imitieren die Dopaminwirkung dadurch, dass sie an den gleichen Stellen im Gehirn ansetzen, an denen normalerweise das Dopamin wirken würde. Vor allem
Beweglichkeitsschwankungen und
unwillkürliche Bewegungen treten unter Therapie mit Dopaminagonisten seltener und später in Erscheinung. Insbesondere in jüngeren Jahren Erkrankte können von der Frühkombination eines Dopaminagonisten mit L-Dopa profitieren oder sogar ausschließlich eine Therapie mit einem Dopaminagonisten bekommen.
Relativ häufig treten bei Einnahme dieser Präparate
Übelkeit, Brechreiz oder Blutdruckabfall auf. In seltenen Fällen kann es auch zu Schlafattacken kommen, die insgesamt mit verstärkter Tagesmüdigkeit einhergehen. Bei Auftreten solcher Attacken sollte aus Sicherheitsgründen z.B. der eigene Pkw nicht mehr genutzt werden oder die Therapie umgestellt werden. Generell muss aber kein Fahrverbot bei der Einnahme von Dopaminagonisten ausgesprochen werden.
Eine weitere nicht zu unterschätzende mögliche Nebenwirkung der Dopaminagonisten ist die Möglichkeit der
Impulskontrollstörungen. Hierbei werden Spiel-, Kauf- oder Sexsucht ausgelöst. In diesem Fall muss dringend ärztliche Hilfe gesucht werden.
↑ nach oben
L-Dopa
L-Dopa ist die Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin, welches dem Körper bei der Parkinson-Krankheit fehlt. Diese Vorstufe wird dem Körper in Tabletten- oder Kapselform zugeführt. Dabei ist dem L-Dopa ein sogenannter
Decarboxylasehemmer zugesetzt, der verhindert, dass die Dopaminvorstufe schon in Dopamin umgewandelt wird, bevor es im Gehirn angekommen ist. Als Substanzen werden hier Carbidopa und Benzerazid verwendet. Durch diese Enzymhemmer konnte die L-Dopa-Menge pro Tablette auf gut 1/4 der früheren Dosis gesenkt werden.
Am deutlichsten werden durch das L-Dopa bzw. durch das wirksame Dopamin die
Akinese und der
Rigor verbessert. Um vor allem nach dem morgendlichen Erwachen eine schnelle Starthilfe zu geben, hat man schnell wirksame Trinktabletten mit dem L-Dopa-Wirkstoff entwickelt. Sie können auch in Phasen schlechter Beweglichkeit dazu genutzt werden, diese schnell und effektiv zu unterbrechen. Für die gute Beweglichkeit nachts können Retard- oder Depot-Tabletten eingesetzt werden, die den Wirkungseintritt der Substanz verzögern und somit gewährleisten, dass nicht irgendwann nachts die Wirkung komplett nachlässt.
Als unerwünschte Wirkungen treten, Übelkeit, Erbrechen, aber auch Verstopfung auf. Es kann zu Kreislaufbeschwerden kommen, verstärktem Harnfluss und vermehrtem Schwitzen.
Nach langdauernder L-Dopa-Gabe treten häufig die schwertherapierbaren L-Dopa-Langzeitkomplikationen auf, wie Dyskinesien und Fluktuationen.
↑ nach oben
MAO-B-Hemmer
MAO-B-Hemmer blockieren ein Enzym, welches das Dopamin abbaut – die Monoaminooxydase-B (MAO-B). Dadurch wird Dopamin im Gehirn angereichert, obwohl weiterhin grundsätzlich der Mangel besteht. Einziger in der Praxis verfügbarer MAO-B-Hemmer ist das
Selegilin. Die Wirkung und auch die Nebenwirkungen sind ähnlich denen des L-Dopa. Allerdings treten auch Müdigkeit und Benommenheit, Kopfschmerzen und Hauterscheinungen unter diesem Medikament auf. Zudem wirkt ein Präparat dieser Art gering antriebssteigernd, was zu einer
Schlafbeeinträchtigung führen kann. Deshalb sollte es nicht abends eingenommen werden.
↑ nach oben
Amantadinsalze
Amantadinsalze werden seit vielen Jahren erfolgreich in der Behandlung der Parkinson-Krankheit eingesetzt. Sie wirken insbesondere auf die
Akinese aber auch
Tremor und
Rigor auf.
Sie hemmen dabei einen bestimmten Rezeptor, den NMDA-Rezeptor, wodurch der Neurotransmitter Glutamat wiederum gehemmt wird. Hierdurch kann indirekt die Beweglichkeit gebessert werden. Allerdings zeichnet sich bei vielen Behandelten bereits nach mehreren Monaten ein teilweiser oder kompletter Wirkungsverlust ab. Amantadinsalze können zu nächtlicher Unruhe und Halluzinationen führen und sollten deshalb nur am Vormittag gegeben werden.
Man kann sie auch als Infusionslösung verwenden, z.B. vor Narkosen, aber auch bei starken Schluckstörungen und bei der inzwischen seltener gewordenen
akinetischen Krise , alles Situationen, in denen die Tabletteneinnahme eingeschränkt ist.
Normalerweise werden Amantadine gut vertragen, als unerwünschte Wirkungen kommen vor allem Mundtrockenheit, Übelkeit, Wasseransammlungen und auch ein sogenanntes Delir oder eine Psychose vor.
↑ nach oben
Anticholinergika
Anticholinergika waren die ersten eingesetzten Medikamente bei der Parkinson-Krankheit, sie haben heutzutage nur noch eingeschränkt eine Bedeutung in der Therapie. Sie werden vor allem gegen den
Tremor eingesetzt, oder wenn vegetative Störungen wie starkes Schwitzen auftreten.
Anticholinergika hemmen den Nervenbotenstoff Acetylcholin, der durch den Dopaminmangel bei der Parkinson-Krankheit ein relatives Übergewicht hat. Da durch diese Wirkweise auch verstärkt unangenehme Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Harnverhalt, Darmträgheit und auch ein erhöhter Augeninnendruck auftreten können, ist ihre Anwendung eingeschränkt. Sie werden vor allem in niedriger Dosierung gegeben.
Bei älteren Menschen mit zusätzlicher Demenz sollten Anticholinergika wegen der Beeinträchtigung des Denkvermögens und der Wahrnehmung nicht eingesetzt werden.
↑ nach oben
Budipin
Budipin wird vor allem bei
Tremor eingesetzt, er wirkt hauptsächlich über eine Hemmung von NMDA-Rezeptoren auf den Nervenbotenstoff Glutamat. Zusätzlich verstärkt er wohl die Wirkung von Dopamin, indem er die Dopaminwiederaufnahme hemmt, seine Freisetzung fördert und das Enzym MAO-B hemmt.
Vor Einnahme dieses Präparates sollte unbedingt eine Untersuchung des Herzens erfolgen, da dieses Medikament in Einzelfällen zu
lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen kann. Deshalb darf Budipin nicht mit Amantadin kombiniert werden, denn kombiniert ist die Gefahr von Herzrhythmusstörungen erhöht.
↑ nach oben
COMT-Hemmer
Ein zweiter Abbauweg für das L-Dopa bzw. Dopamin ist das Enzym Catechol-O-Methyl-Transferase (COMT). Hemmstoffe der COMT führen somit zu einem geringeren Abbau von aktivem L-Dopa. In Deutschland ist
Entacapon für Betroffene mit
motorischen Fluktuationen zugelassen. Das Präparat wird von den meisten Betroffenen gut vertragen, es verbessert bei gleichzeitiger L-Dopa-Gabe die
gleichmäßigere Abgabe von L-Dopa ins Gehirn. Dadurch verbessert es die Wirksamkeit von L-Dopa. Entacapon wird vor allem dann eingesetzt, wenn durch andere Parkinsonmedikamente eine gleichmäßige Beweglichkeit nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Es kann unter Gabe dieses Medikamentes verstärkt zu
Durchfällen kommen, die sich manchmal erst nach längerer Zeit entwickeln. Die Farbe des Präparates kann zudem zu einer Orangefärbung des Harns führen, die allerdings keinen Krankheitswert hat.
↑ nach oben
Medikamente bei motorischen Fluktuationen
Sowohl Beweglichkeitsschwankungen –
motorische Fluktuationen – als auch unwillkürliche Bewegungen –
Dyskinesien – können abhängig oder unabhängig von der Medikamenteneinnahme bei der Parkinson-Krankheit auftreten. Vor allem im Verlauf der langzeitlichen Behandlung mit L-Dopa und Dopaminagonisten treten solche Schwankungen der Beweglichkeit auf.
- On-Off-Phänomen: On-Phasen nennt man die Zeiten mit guter Beweglichkeit, die Betroffenen fühlen sich wie angeschaltet (engl. „on"), Off-Phasen die mit schlechter Beweglichkeit, die Betroffenen fühlen sich wie ausgeschaltet (engl. „off"). Um einen genauen Überblick zu bekommen, wann die Beweglichkeit wie gut oder wie schlecht ist, sollten Parkinson-Kranke ein Tagesprotokoll über ihre Beweglichkeit führen.
- Fluktuationen: Dosisabhängige, vorhersehbare Fluktuationen (Änderungen) treten vor allem bei fortgeschrittener Krankheit auf, weil dann die abfallende Konzentration des L-Dopa im Blut nicht mehr ausgeglichen werden kann. Dosisunabhängige, unvorhersehbare Fluktuationen sind akut auftretende Beweglichkeitsstörungen, die auch als „Freezing“ („Einfrieren“) bezeichnet werden. Dieses Phänomen tritt ohne Bezug zur Medikation auf. Der Betroffene erstarrt plötzlich, z.B. beim Durchschreiten eines Türdurchganges oder vor einer Türschwelle. Meist können sich die Betroffenen schon nach kurzer Zeit gut weiterbewegen.
- End-of-dose-Akinesien: Im Verlauf der Therapie lässt die Wirkdauer von L-Dopa nach. Deswegen können kurz vor der Einnahme der nächsten Dosis Akinesien auftreten. Man versucht bei Auftreten dieses Phänomens, dem Körper L-Dopa gleichmäßiger anzubieten, d.h. kleinere Einzeldosen mit verkürzten Dosierabständen. Als weitere Möglichkeit gibt man bei der Einzeltherapie mit L-Dopa zusätzlich Dopaminagonisten oder man kombiniert mit dem COMT-Hemmer Entacapon.
↑ nach oben
Medikamente bei Dyskinesien
- Peak-dose-Dyskinesien: Meistens treten die unwillkürlichen Bewegungen als grimassierende, schmatzende Bewegungen im Gesicht oder eine Bewegungsunruhe im Schulter-Arm-Bereich auf, wenn die höchste Dosis (engl. „peak dose") von L-Dopa im Blut erreicht ist. Man versucht, diese Dyskinesien zu therapieren, indem man möglichst Dosisspitzen vermeidet, d.h. die Einzelgaben des L-Dopa werden verringert. Somit können zwar die unwillkürlichen Bewegungen vermieden werden, aber auch die On-Phasen werden verkürzt und die Off-Phasen verlängert, was der Betroffene als nachteilig erlebt.
- Off-Phase-Dystonie: Bei niedrigem L-Dopa-Spiegel können sich unwillkürliche Bewegungen als sogenannte Off-Phase-Dystonie insbesondere an den Beinen in Form von teils schmerzhaften Verkrampfungen oder langsamen, zähflüssigen und auch drehenden Bewegungen entwickeln. Sie treten zeitlich häufig erwartet auf und können dann gezielt mit löslichem L-Dopa gemildert werden. Treten sie in der zweiten Nachthälfte oder morgens auf, so kann ein abendliches L-Dopa-Verzögerungspräparat gegeben werden. Alternativ kann abends auch ein lang wirkender Dopaminagonist gegeben oder L-Dopa mit dem COMT-Hemmer Entacapon kombiniert werden.
- Biphasische Dyskinesien: Selten können Dyskinesien in der An- und Abflutungsphase des L-Dopa auftreten, man spricht dann von biphasischen Dyskinesien.
- On-Dystonien: In Phasen guter Beweglichkeit gibt es bei hoher L-Dopa-Konzentration sogenannte On-Dystonien, die sich als schmerzhafte Bewegungsstörungen äußern.
↑ nach oben
Medikamentöse Therapie bei der akinetischen Krise
Man versteht unter akinetischer Krise die plötzlich eintretende völlige Bewegungsunfähigkeit eines Parkinson-Kranken. Die akinetische Krise ist eine
lebensbedrohliche Komplikation, der Betroffene muss sofort in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Eine akinetische Krise tritt relativ selten auf, meistens erst im Spätstadium der Erkrankung. Auslöser für eine solche Krise sind meistens andere Erkrankungen, wie z.B. ein schwerer fieberhafter Infekt oder auch eine stattgehabte Operation. Auch die akute Unterbrechung der Einnahme der Parkinson-Medikamente kann zu einer solchen Krise führen.
Bezeichnend für die akinetische Krise ist, dass der Betroffene
aus einer guten Beweglichkeit unter dopaminerger Therapie heraus in kürzester Zeit fast völlig bewegungsunfähig wird. Er hat einen verstärkten Rigor und kann nicht sprechen und schlucken. Durch die Schluckstörung kann er keine Flüssigkeit zu sich nehmen, sodass er recht schnell austrocknet. Auch kann er keine Medikamente schlucken, er gerät in einen Medikamentenentzug.
↑ nach oben
Behandelt wird die akinetische Krise
intensivmedizinisch. Flüssigkeits- und Medikamentenzufuhr werden überwacht. Da die Betroffenen nicht schlucken können, erhalten sie entweder rasch lösliches L-Dopa über eine Magensonde, L-Dopa oder Amantadin als Infusion oder Apomorphin unter die Haut gespritzt (subkutan).
Wenn man alle Parkinson-Medikamente betrachtet, hat
Apomorphin die stärkste Wirkung und ist am ähnlichsten mit dem körpereigenen Dopamin. Es ist in Deutschland allerdings nur für besondere Problemfälle von Parkinson-Kranken, wie z.B. solche in der akinetischen Krise, zugelassen.
Behandlung der Begleiterkrankung Depression Behandlung der Begleiterkrankung Demenz
Behandlung der Begleiterkrankung Sexuelle Störungen
↑ nach oben
Operative Therapieverfahren
In letzter Zeit hat die tiefe Hirnstimulation bei der fortgeschrittenen Parkinsonerkrankung eine Lebensqualitätsverbesserung der Patienten erbracht. Die stereotaktischen läsionellen Verfahren bleiben heute einigen Sonderindikationen vorbehalten.
- Die tiefe Hirnstimulation (tHS)
- Die stereotaktischen, läsionellen Verfahren
Tiefe Hirnstimulation (tHS)Die tHS erfolgt operativ wie das zuvor erläuterte Verfahren. Anstatt dem Zerstören von Hirngewebe werden über eine Elektrode die entsprechenden Stellen im Gehirn hochfrequent dauerhaft gereizt und dadurch funktionell ebenfalls ausgeschaltet. Die Batterie des Neurostimulators hält 3–5 Jahre und muss dann in einer neuen kleinen Operation gewechselt werden. Das eingesetzte System ist gegenüber elektromagnetischen Störfeldern anfällig, d.h. Betroffene müssen z.B. Handys oder auch Sicherheitsprüfgeräte in Flughäfen meiden.
In einer Langzeitstudie, koordiniert über das
Kompetenznetz Parkinson, werden derzeit die Wirksamkeit und Nebenwirkungen der Nucleus-subthalamicus-Stimulation im Vergleich zur medikamentösen Behandlung untersucht.
Stereotaktische strukturelle Ausschaltung, ein stereotaktisches läsionelles VerfahrenZiel eines stereotaktischen Eingriffs ist die Besserung der Parkinson-Symptome. Zunächst war dies vor allem für den Tremor beabsichtigt, aber auch die Bradykinese, der Rigor und Dyskinesien können mit einer solchen Behandlung gemildert werden. Je nach Zielort des Eingriffs können die Symptome unterschiedlich stark gebessert werden. Bei der stereotaktischen strukturellen Ausschaltung werden Hirnzellen durch Hitze unwiderbringlich geschädigt. Dabei wird über ein kleines Bohrloch im Schädel mit Hilfe eines Zielgerätes eine Sonde an eine genau vorausberechnete Stelle im Gehirn platziert. Der Eingriff erfolgt nur mit einer lokalen Betäubung am Kopf, da das Gehirn selbst schmerzunempfindlich ist und man während des Eingriffs die optimale Stelle nur dann finden kann, wenn der Behandelte wach ist.
↑ nach oben
Therapie der Begleitsymptome
Schluckstörungen und Speichelfluss Meistens hilft schon die optimale medikamentöse Einstellung mit L-Dopa oder Dopaminagonisten zur Verbesserung der motorischen Schluckfähigkeit. Dadurch kann dann auch einem vermehrten Speichelfluss entgegen gewirkt werden. Ist diese Therapie nicht ausreichend, kann zusätzlich ein Anticholinergikum ca. eine Stunde vor dem Essen eingenommen werden. Allerdings muss sicher sein, dass der Behandelte psychisch nicht besonders auffällig ist, denn dann sollte man von einer Therapie mit solchen Medikamenten absehen.
Phasen guter Beweglichkeit sollten für das Essen und die Medikamenteneinnahme genutzt werden, dabei sollte reichlich getrunken und das Essen möglichst gut zerkleinert werden. Ausgeprägte Schluckstörungen können mit Amantadininfusionen gut behandelt werden, bei sehr schweren anhaltenden Störungen muss der Betroffene künstlich über eine Sonde ernährt werden.
VerstopfungWichtig bei der Behandlung der Verstopfung ist einerseits eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, aber auch eine ballaststoffreiche Ernährung und so gut wie möglich auch körperliche Bewegung. Auf alle diese Dinge wirklich regelmäßig zu achten, fällt gerade Parkinson-Kranken oftmals schwer, da sie in ihrer Beweglichkeit häufig sehr stark eingeschränkt sind. Zudem können Abführmittel bei Krankheiten wie dem Morbus Parkinson auch auf Kassenrezept verschrieben werden. Hier kann z.B.
Macrogol eingesetzt werden, das als Quellstoffpräparat eine kleine definierte Wassermenge bindet und somit den Stuhl aufweicht. Auf jeden Fall sollten die Betroffenen mit ihrem Arzt über das Problem Verstopfung sprechen.
BlasenfunktionsstörungenDie
nichtmedikamentösen Maßnahmen zur Behandlung der Blasenfunktionsstörungen umfassen eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, d.h. täglich mindestens 2 Liter, bei der Abendmahlzeit sollten allerdings keine Getränke mehr eingenommen werden, damit die Betroffenen nachts nicht verstärkt zur Toilette müssen. Es muss darauf geachtet werden, dass Betroffene nicht längere Zeit im Feuchten liegen, um ein Wundliegen zu vermeiden.
Haben die Betroffenen eher einen Harnverhalt, so kann der Parkinson-Kranke durch Beklopfen der Blasengegend versuchen, die Harnentleerung auszulösen. In manchen Fällen ist es für eine bestimmte Zeit auch nötig, dass die Blase regelmäßig katheterisiert wird. Dies kann der Betroffene selbst erlernen, wenn er ausreichend beweglich dafür ist. Ist die Entleerungsstörung der Blase für eine längere Zeit wahrscheinlich, wird ein sogenannter suprapubischer (oberhalb des Schambeins liegender) Katheter gelegt.
Medikamentös können je nach Störung der Blasenfunktion unterschiedliche Wirkstoffe eingesetzt werden.
KreislaufstörungenHatte der Parkinson-Kranke vor Beginn seiner Erkrankung Bluthochdruck und wurde er deswegen medikamentös behandelt, so muss man beobachten, ob sich der Bluthochdruck nicht bereits durch die Parkinson-Krankheit normalisiert hat. Dies ist nicht selten der Fall. Denn sonst kann es zu niedrigem
Blutdruck – orthostatische Hypotonie – kommen, wenn entsprechende Medikamente weitergegeben werden. Der Betroffene kann dann ebenfalls Beschwerden haben.
Wichtig bei Vorliegen einer solchen
orthostatischen Hypotonie ist, dass die Betroffenen soweit möglich regelmäßig körperlich trainieren, ausreichend trinken und auch genügend Kochsalz zu sich nehmen. Sind Betroffene bettlägerig, so sollte das Bett mehrmals täglich zum Kopfende hin geneigt werden. Kreislauf anregend sind Trockenmassagen, Wechselduschen und auch angepasste Stützstrümpfe. Beim Aufstehen aus dem Liegen sollten sich die Betroffenen viel Zeit lassen.
Medikamentös wird die Kreislaufstörung nur dann behandelt, wenn alle anderen Maßnahmen nicht greifen.
Mehr über Hilfsmittel bei Harninkontinenz
SchlafstörungenSchlafstörungen können medikamentös, aber auch
nicht-medikamentös beeinflusst werden. Grundsätzlich hilft oftmals Bewegung vor dem Schlafengehen. Betroffene sollten nicht zu später Stunde noch größere Mahlzeiten zu sich nehmen. Auch sollte auf übermäßigen Alkohol-, Kaffee- und Zigarettenkonsum verzichtet werden. Wacht der Betroffene nachts auf, so helfen manchmal ein kleiner Spaziergang innerhalb der Wohnung oder Musik hören und erst dann wieder ins Bett zu gehen, wenn die Müdigkeit erneut einsetzt. Hilfreich ist auch das Aufstehen möglichst immer zur gleichen Zeit, um den Schlaf-Wach-Rhythmus zu unterstützen. Tritt nachts eine Akinesie oder eine schmerzhafte
Off-Phase-Dystonie auf, so können abends zusätzlich L-Dopa-Retardpräparate oder auch Dopaminagonisten mit längerer Wirkdauer gegeben werden. Haben die Betroffenen hingegen andere Dyskinesien, muss die dopaminerge Medikation reduziert werden. Bei depressiven Schlafstörungen können diese oftmals durch eine antidepressive Therapie gebessert werden.
Als
Schlafmittel sollten zunächst pflanzliche Mittel versucht werden. Baldrian, Hopfen oder Passionsblume zeigen vielfach eine gute Wirkung, sie haben zudem keine unerwünschten Wirkungen. Alle anderen Schlafmittel sollten unbedingt mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, denn diese Medikamente haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial und können schnell missbraucht werden. Die Einnahme sollte zunächst 2–3 Wochen nicht überschreiten und sollte möglichst nur bei Bedarf anstatt regelmäßig durchgeführt werden.
↑ nach oben
Begleitende Therapien
PhysiotherapieBei der Parkinson-Krankheit ist es besonders wichtig, dass die Betroffenen regelmäßig Krankengymnastik erhalten, um Fehlhaltungen des Körpers vorzubeugen:
- Die verbliebene Bewegungsfähigkeit soll erhalten und gefördert werden, die oftmals verlorengegangene Harmonisierung der Bewegungsabläufe neu eingeübt und der erhöhte Muskeltonus (Rigor) vermindert werden. Somit unterscheidet sich die Form der Krankengymnastik durchaus von der bei anderen Krankheiten.
- Besonders bewährt in der Behandlung von Parkinson-Kranken haben sich rhythmische Übungen und rhythmische Bewegungsgymnastik oder sogar Tanzen, sofern das die Beweglichkeit des Einzelnen erlaubt. Selbsthilfegruppen bieten oftmals Gruppengymnastik an.
- Auch scheint Laufbandtraining mit Entlastung des Körpergewichts durch eine spezielle Haltungsvorrichtung über dem Laufband bei Parkinson-Kranken besser als konventionelles Gehtraining zu sein.
Es gibt Übungen für die Haltungsverbesserung. Diese können im Stehen an der Wand oder Sprossenwand, aber auch im Liegen oder Sitzen durchgeführt werden.
Das
Mitschwingen der Arme kann bei Parkinson-Kranken geübt werden. Schwungübungen können im Sitzen oder Stehen ausgeführt werden.
Koordinationsübungen versuchen, das Zusammenspiel der einzelnen Gliedmaßen zu verbessern. Hierbei werden zunächst die einzelnen Gliedmaßen beübt, bevor es dann an die Koordination geht.
Gehübungen können helfen, die oftmals verkürzten Schritte bei Parkinson-Kranken wieder etwas zu verlängern. Dabei helfen auf den Boden gelegte Hölzer oder andere Hilfsmittel, über die der Erkrankte einen Schritt macht und somit jeweils eine bestimmte Schrittlänge einhalten muss. Mögliche Startschwierigkeiten können durch Tricks wie einen kurzen Schlag auf den Oberschenkel, laute Kommandos oder lautes Zählen, ein Metronom oder rhythmische Musik im einfachen 4/4-Takt beeinflusst werden. Auch eine Markierung auf dem Boden kann helfen. Ein Hindernislauf über leicht erhöhte Gegenstände auf dem Boden hilft, das Heben der Beine beim Gehen zu unterstützen.
ErgotherapieDurch ergotherapeutische Übungen und Hilfsmittel soll für die Betroffenen die
größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag erhalten werden. Dabei ist es wichtig, die ergotherapeutischen Maßnahmen ganz auf die Beeinträchtigungen der jeweiligen Person abzustimmen. Trotz allem sollen sie den Betroffenen auch Freude bereiten und nicht eine Überforderung darstellen. Bezugspersonen sollten bei den Betrachtungen mit einbezogen werden.
Die Übungen umfassen vor allen Dingen die
alltäglichen Lebensaktivitäten wie Körperpflege und Ankleiden, Haushaltsversorgung inklusive selbstständigem Essen. So steht die Erhaltung der
Handgeschicklichkeit ganz im Vordergrund. Die
Drehbewegung der Hände kann geübt werden. Bei weiteren
Fingerübungen, die zum Teil der Geschicklichkeit, aber zusätzlich auch der Muskelkräftigung dienen, kann der Betroffene bei manchen Übungen mit oder ohne Therapieknete üben.
Schreib- und Zeichenübungen können auf mit Hilfslinien versehenem Schreibpapier gemacht werden. Es unterstützt Parkinson-Kranke dabei, Buchstaben wirklich gleichmäßig groß zu schreiben und nicht zum Zeilenende hin wesentlich kleiner zu werden. Entweder kann mit Druckschrift, sofern möglich auch mit Schreibschrift gearbeitet werden.
SprachtherapieSehr häufig ist bei der Parkinson-Krankheit die Muskulatur betroffen, die für das Sprechen zuständig ist, also die Zungen- und Kehlkopfmuskulatur sowie auch die Gesichtsmuskulatur. Dabei verändert sich die Stimme langsam, sie wird leiser und verwaschen. Schon sehr früh sollte mit der
Logopädie, der Stimm- und Sprachtherapie begonnen werden. Bei dieser Therapie werden nicht nur die Stimme und Aussprache sowie Sprechgeschwindigkeit bei Parkinson-Kranken trainiert, sondern auch die Mundbeweglichkeit und Mimik geschult sowie die Atmung verbessert.
Die Betroffenen sollen dabei lernen, ihre verbliebenen Sprechfunktionen möglichst effektiv in der alltäglichen Kommunikation einzusetzen. Dabei wird geübt, Atmung und Stimmproduktion besser zu koordinieren, die Sprachmelodie zu beeinflussen und die Betroffenen zur Kommunikation zu motivieren. Auch Kau- und Schluckstörungen werden behandelt.
- Erhalt der Mimik: Insbesondere die Mimik nimmt bei Parkinson-Kranken im Verlauf der Erkrankung immer mehr ab. Insofern ist es sehr wichtig, dass die Betroffenen täglich etwas für den Erhalt ihrer Mimik tun. Sie können mit Unterstützung des Logopäden oder Physiotherapeuten ein Programm zusammenstellen, mit dem möglichst alle Gesichtsmuskeln trainiert werden.
- Atemtherapie: Durch die nachlassende Beweglichkeit kann bei Parkinson-Kranken im Verlauf die Atmung flacher werden. Dadurch ist der Sauerstoffbedarf nicht mehr ausreichend gedeckt und Schwindel und Müdigkeit können auftreten. Durch eine gezielte Atemtherapie kann einerseits die Atmung selbst, aber auch das Sprechvermögen verbessert werden.
EntspannungÜber ein tiefes und gelassenes Atmen kann der Parkinson-Kranke gut in eine Entspannung kommen. Dabei kann er entweder den Atemrhythmus nutzen, um sich selbst in die Entspannung zu geleiten, oder die Entspannung mehr über eine willkürliche Muskelentspannung hervorrufen. Bewährte Methoden wie das
Autogene Training oder die
Progressive Muskelentspannung nach Jakobsen können angewendet werden. Die Entspannung hilft dem Betroffenen, seine Symptome eine Zeit lang zu vergessen, da sie sich während der Übungen bessern. Hinsichtlich des Rigors kann hierbei sogar eine über mehrere Stunden anhaltende Wirkung nach dem Üben erreicht werden. Auch Schlafstörungen können positiv beeinflusst werden.
↑ nach oben