Medikamente gegen Morbus Parkinson: L-Dopa
L-Dopa ist die Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin, welches dem Körper bei der Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung) fehlt. Diese Vorstufe wird dem Körper in Tabletten- oder Kapselform zugeführt. Dabei ist dem L-Dopa ein sogenannter
Decarboxylasehemmer zugesetzt, der verhindert, dass die Dopaminvorstufe schon in Dopamin umgewandelt wird, bevor es im Gehirn angekommen ist. Als Substanzen werden hier Carbidopa und Benzerazid verwendet. Durch diese Enzymhemmer konnte die L-Dopa-Menge pro Tablette auf gut ein Viertel der früheren Dosis gesenkt werden.
Am deutlichsten werden durch das L-Dopa beziehungsweise durch das wirksame Dopamin die
Akinese und der
Rigor verbessert. Um vor allem nach dem morgendlichen Erwachen eine schnelle Starthilfe zu geben, hat man schnell wirksame Trinktabletten mit dem L-Dopa-Wirkstoff entwickelt. Sie können auch in Phasen schlechter Beweglichkeit dazu genutzt werden, diese schnell und effektiv zu unterbrechen. Für die gute Beweglichkeit nachts können Retard- oder Depot-Tabletten eingesetzt werden, die den Wirkungseintritt der Substanz verzögern und somit gewährleisten, dass nicht irgendwann nachts die Wirkung komplett nachlässt.
Als unerwünschte Wirkungen treten, Übelkeit, Erbrechen, aber auch Verstopfung auf. Es kann zu Kreislaufbeschwerden kommen, verstärktem Harnfluss und vermehrtem Schwitzen. Zudem können motorische Fluktuationen und Dyskinesien auftreten:
Motorische Fluktuationen
Beweglichkeitsschwankungen –
motorische Fluktuationen –können abhängig oder unabhängig von der Medikamenteneinnahme bei der Parkinson-Krankheit auftreten. Vor allem im Verlauf der langzeitlichen Behandlung mit L-Dopa und Dopaminagonisten treten solche Schwankungen der Beweglichkeit auf.
- On-Off-Phänomen: On-Phasen nennt man die Zeiten mit guter Beweglichkeit, die Betroffenen fühlen sich wie angeschaltet (engl. "on"), Off-Phasen die mit schlechter Beweglichkeit, die Betroffenen fühlen sich wie ausgeschaltet (engl. "off"). Um einen genauen Überblick zu bekommen, wann die Beweglichkeit wie gut oder wie schlecht ist, sollten Parkinson-Kranke ein Tagesprotokoll über ihre Beweglichkeit führen.
- Fluktuationen: Dosisabhängige, vorhersehbare Fluktuationen (Änderungen) treten vor allem bei fortgeschrittener Krankheit auf, weil dann die abfallende Konzentration des L-Dopa im Blut nicht mehr ausgeglichen werden kann. Dosisunabhängige, unvorhersehbare Fluktuationen sind akut auftretende Beweglichkeitsstörungen, die auch als "Freezing" ("Einfrieren") bezeichnet werden. Dieses Phänomen tritt ohne Bezug zur Medikation auf.
- End-of-dose-Akinesien: Im Verlauf der Therapie lässt die Wirkdauer von L-Dopa nach. Deswegen können kurz vor der Einnahme der nächsten Dosis Akinesien auftreten. Man versucht bei Auftreten dieses Phänomens, dem Körper L-Dopa gleichmäßiger anzubieten, das heißt kleinere Einzeldosen mit verkürzten Dosierabständen. Als weitere Möglichkeit gibt man bei der Einzeltherapie mit L-Dopa zusätzlich Dopaminagonisten oder man kombiniert mit dem COMT-Hemmer Entacapon.
Dyskinesien (unwillkürliche Bewegungen)
- Peak-dose-Dyskinesien: Meistens treten die unwillkürlichen Bewegungen als grimmasierende, schmatzende Bewegungen im Gesicht oder eine Bewegungsunruhe im Schulter-Arm-Bereich auf, wenn die höchste Dosis (engl. "peak dose") von L-Dopa im Blut erreicht ist. Man versucht, diese Dyskinesien zu therapieren, indem man möglichst Dosisspitzen vermeidet, das heißt die Einzelgaben des L-Dopa werden verringert. Somit können zwar die unwillkürlichen Bewegungen vermieden werden, aber auch die On-Phasen werden verkürzt und die Off-Phasen verlängert, was der Betroffene als nachteilig erlebt.
- Off-Phase-Dystonie: Bei niedrigem L-Dopa-Spiegel können sich unwillkürliche Bewegungen als so genannte Off-Phase-Dystonie insbesondere an den Beinen in Form von teils schmerzhaften Verkrampfungen oder langsamen, zähflüssigen und auch drehenden Bewegungen entwickeln. Sie treten zeitlich häufig erwartet auf und können dann gezielt mit löslichem L-Dopa gemildert werden. Treten sie in der zweiten Nachthälfte oder morgens auf, so kann ein abendliches L-Dopa-Verzögerungspräparat gegeben werden. Alternativ kann abends auch ein lang wirkender Dopaminagonist gegeben oder L-Dopa mit dem COMT-Hemmer Entacapon kombiniert werden.
- Biphasische Dyskinesien: Selten können Dyskinesien in der An- und Abflutungsphase des L-Dopa auftreten, man spricht dann von biphasischen Dyskinesien.
- On-Dystonien: In Phasen guter Beweglichkeit gibt es bei hoher L-Dopa-Konzentration so genannte On-Dystonien, die sich als schmerzhafte Bewegungsstörungen äußern.
Autoren und Quellen
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Autor/in: Dr. med. Karen Strehlow, Ärztin und Fachzeitschriftenredakteurin, Charité - Universitätsmedizin Berlin
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Quellen: R. Thümler, Morbus Parkinson - Ein Leitfaden für Klinik und Praxis, Springer Verlag Berlin Heidelberg, 2002
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