Grippe – Die Attacke der Viren im Winter
Mit der harmlosen Erkältung hat diese Infektionskrankheit nichts zu tun. Die Virusgrippe (Influenza) kann für chronisch Kranke und Senioren lebensgefährlich sein. Deshalb sollten sie sich impfen lassen. Weil sich die Virustypen immer wieder ändern, muss der Impfstoff ständig den neuen Anforderungen angepasst werden. Es gibt drei Viren-Hauptstämme: den besonders gefährlichen Typ A und die beiden weniger riskanten B und C.Im Überblick
Eine Grippe ist mehr als eine schwere Erkältung
Während die Erkältung zwar weit verbreitet, aber meist ungefährlich ist, muss man eine Grippe ganz klar davon abgrenzen: Die
Symptome Fieber, Atemwegsbeschwerden, Glieder- und Kopfschmerzen sowie Abgeschlagenheit sind bei ihr sehr viel ausgeprägter. Wer eine Virusgrippe hat, muss nicht mehr überlegen, ob er noch zur Arbeit geht: Die Frage erledigt sich von selbst, denn er kommt nicht mehr aus dem Bett.
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Kälte und Stress begünstigen die Infektion
Fast jeder Mensch leidet irgendwann unter einer Grippe. Warum besteht bei Grippe eine so große Ansteckungsgefahr? Die Influenzaviren, die die Grippe verursachen, übertragen sich extrem leicht durch Tröpfchen. Schon beim Sprechen, aber auch durch Husten, Niesen oder Händereichen gelangen die Tröpfchen auf die Schleimhäute von Kontaktpersonen.
Allerdings steckt sich nicht jede Kontaktperson automatisch an. Bei Menschen mit einer starken Abwehr haben die Viren oft keine Chance. Gerade im Winter aber sind die Schleimhäute der meisten Menschen leicht angreifbar. Durch die kalte Winterluft verengen sich die Blutgefäße der Nasen- und Mundschleimhäute. Das vermindert ihre Durchblutung und damit ihre Abwehrreaktion. Bei Stress, Schlafdefizit und wetterbedingten Stimmungsschwankungen haben die Viren leichtes Spiel.
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Wie Influenza-Viren den Körper angreifen
Wenn das Robert Koch-Institut vor Influenza-Viren warnt und zur Schutzimpfung rät, sind meistens
Typ-A-Viren gemeint: Sie verursachen beim Menschen die heftigsten Krankheitserscheinungen und führen immer wieder zu Epidemien oder sogar Pandemien. Sie kommen auch bei Schweinen, Pferden und Hühnern vor, weshalb Krankheitswellen auch von diesen Tieren ausgehen können.
Eiweiße spielen eine entscheidende Rolle Innerhalb der
Typ-A-Viren unterscheidet man Subtypen, die durch Muster der Eiweiße auf der Außenhülle charakterisiert sind. Diese Eiweiße, Hämagglutinine und Neuraminidasen, spielen eine wesentliche Rolle beim Befall der Wirtszellen und der Vermehrung der Viren: Die Hämagglutinine ermöglichen ein Andocken des Virus an die Wirtszelle, beispielsweise eine Zelle der oberen Atemwege. Dies leitet die Einkapselung des Virus und seine Einschleusung in die Zelle ein. Danach nutzen die Viren das Erbgut der Zelle zur Produktion zahlreicher Tochterviren. Die Neuraminidasen spalten abschließend bestimmte Stoffe von der Oberfläche der Wirtszelle, sodass die neugebildeten Viren die Zelle wieder verlassen können, um weitere Zellen zu infizieren.
Eine dauerhafte Immunität ist nicht möglich Hämagglutinine und Neuraminidasen sind Antigene, die dem Immunsystem als Zielscheibe für eine Abwehrreaktion dienen. Da sie sich von Virusgeneration zu Virusgeneration mehr oder weniger stark ändern – Experten sprechen von einem
Antigendrift – kann der Organismus keine dauerhafte Immunität gegen Influenzaviren entwickeln.
Pandemie durch Antigenshift Weit drastischer ist die Auswirkung eines
Antigenshifts. Dieser findet statt, wenn eine tierische Wirtszelle gleichzeitig von zwei verschiedenen Virusstämmen des Typ A infiziert wird. Durch die Kombination der beiden Stämme kommt es dann zu einem Subtyp mit komplett neuen Antigenen. Springen diese Viren auf den Menschen über, kann es zu einer Ausbreitung der Infektion über Länder und Kontinente hinweg, einer Pandemie, kommen. Denn das menschliche Abwehrsystem hat keine auch nur halbwegs passenden Antikörper gegen diese neuartigen Viren ausgebildet.
Typ-B- und Typ-C-Viren sind relativ harmlos Außerdem gibt es noch
Typ-B-Viren: Sie besiedeln nur den Menschen als Wirt. Auch sie können sich epidemisch ausbreiten, die Symptome sind aber schwächer.
Typ-C-Viren treten dagegen nur sporadisch bei Menschen und Schweinen auf. Infektionen, die auf diesen Erreger zurückgehen, verlaufen sehr milde.
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Glossar
Aktive Immunisierung Gabe von abgetöteten oder abgeschwächten Krankheitserregern, die im Körper zur Bildung von Antikörpern führt. Die aktive Immunisierung ruft (manchmal erst nach mehrmaligem Impfen) eine lange, oft lebenslange Immunität gegen diesen Krankheitserreger hervor. Das Impfserum kann intravenös gespritzt oder als Schluckimpfung sowie über die Nase oder die Haut verabreicht werden.
Antigen Substanz, die das Immunsystem als fremd erkennt und auf die es mit der Bildung von Antikörpern oder speziellen Abwehrzellen reagiert.
Antikörper Spezifische Moleküle, die von den Zellen des Immunsystems gebildet werden und die genau zu bestimmten Antigenen passen. Dringt ein Antigen in den Organismus ein, verbindet sich der passende Antikörper mit ihm (Antigen-Antikörper-Reaktion) und macht es so unschädlich. Nach dem ersten Kontakt mit einem Antigen merken sich die Antikörper produzierenden Zellen den Bauplan für ihren speziellen Antikörper und können ihn bei erneutem Antigenkontakt sehr schnell produzieren. Es entwickelt sich Immunität.
Auffrischungsimpfung Wiederholung einer Impfung nach abgeschlossener Grundimmunisierung, um den Impfschutz aufrechtzuerhalten.
Bakterien Mikroorganismen, die aus einer Zelle bestehen. Die Vermehrung erfolgt durch Zellteilung. Es gibt zahlreiche Familien und Gattungen von Bakterien mit unterschiedlichen Eigenschaften. Bakterien sind häufige Krankheitserreger.
Booster-Effekt Kommt der Körper mit einem Krankheitserreger ein zweites Mal in Kontakt, so erfolgt die Immunreaktion viel stärker als beim ersten Kontakt. Dieser Effekt wird bei Auffrischungsimpfungen ausgenutzt, um die Immunantwort zu verstärken.
Endemie Ständiges Vorkommen einer Krankheit in einem Gebiet, zum Beispiel Kropf (Jodmangelstruma), FSME.
Epidemie Zeitlich und örtlich begrenztes verstärktes Auftreten einer bestimmten Krankheit, in der Regel einer Infektionskrankheit (zum Beispiel Grippeepidemie).
Grundimmunisierung Erreichen eines vollständigen Impfschutzes gegenüber einer Infektionserkrankung durch die empfohlenen Impfungen zum richtigen Zeitpunkt.
Immunantwort Reaktion des Immunsystems auf Antigene. Man unterscheidet die primäre Immunantwort beim ersten Kontakt mit dem Antigen von der sekundären Immunantwort bei erneutem Antigenkontakt. Die sekundäre Immunantwort setzt schneller ein und ist stärker (siehe Booster-Effekt). Bei der Immunantwort können Antikörper oder auf das Antigen spezialisierte Abwehrzellen gebildet werden.
Immunität Unempfindlichkeit eines Organismus gegen bestimmte Krankheitserreger (Mikroorganismen, Gifte). Immunität ist entweder angeboren, durch Antikörper, die bei der Geburt bereits vorhanden sind, oder erworben durch Kontakt mit den Krankheitserregern oder durch Impfung.
Immunsystem Zum Immunsystem gehören die Lymphknoten, die Rachenmandeln, die Milz sowie Knochenmark und Thymus, die weißen Blutkörperchen (Lymphozyten, Fresszellen u. a.) und chemische Stoffe wie Antikörper und bestimmte Botenstoffe (Lymphokine).
Impf-Indikation Medizinischer Grund für eine Impfung.
Impfschutz Zeitraum und Stärke der Immunität eines Organismus nach einer Schutzimpfung. Bei der passiven Immunisierung ist der Impfschutz meist auf wenige Wochen bis Monate begrenzt. Bei der aktiven Immunisierung ist der Impfschutz länger, oft lebenslang. Manche Impfungen schützen nicht vollständig gegen die Erkrankungen, man spricht dann vom teilweisen Impfschutz.
Indikationsimpfung Impfung für Risikogruppen aufgrund eines erhöhten Expositions-, Erkrankungs- oder Komplikationsrisikos oder zum Schutz Dritter (hierzu gehören auch Reiseimpfungen).
Infektion Aufnahme von Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Pilze) in den Körper. Die Mikroorganismen vermehren sich im Körper und können zu einer Infektionskrankheit führen.
Kontaktpersonen
Im medizinischen Sinne Personen, die engeren Kontakt mit einer an einer Infektion erkrankten Person haben. Kontaktpersonen tragen das Risiko, sich mit dieser Infektion anzustecken. Bei bestimmten Erkrankungen (zum Beispiel Tuberkulose) müssen Kontaktperson medizinisch beobachtet, gegebenfalls geimpft oder sogar isoliert werden.
Lebend-Impfstoff Impfstoff zur aktiven Immunisierung aus lebenden, aber abgeschwächten Mikroorganismen. Die Mikroorganismen können durch Hitze oder chemische Stoffe vermehrungsunfähig gemacht werden, behalten aber die wichtigen Erkennungsmerkmale, gegen die das Immunsystem Antikörper bilden kann.
Pandemie Ausbreitung einer Epidemie auf mehrere Länder oder Kontinente.
Passive Immunisierung Gabe von Antikörpern gegen bestimmte Krankheitserreger. Dadurch kommt es für begrenzte Zeit zu einer Immunität gegen den spezifischen Krankheitserreger (bis die Antikörper vom Körper abgebaut wurden). Der Körper muss also nicht selbst die Antikörper herstellen, allerdings wird auch kein Immungedächtnis gebildet. Meistens werden passive Immunisierungen als Notfallmaßnahme beispielsweise bei Tetanus oder Tollwut durchgeführt. Oft dann auch als Simultanimpfung, also neben der passiven Immunisierung wird gleichzeitig eine aktive Immunisierung durchgeführt, damit beim nochmaligen Erregerkontakt eine körpereigene Abwehr aufgebaut ist.
Paul-Ehrlich-Institut (PEI) Wissenschaftliches Institut mit den Aufgaben, immunbiologische und hämatologische Arzneimittel zuzulassen und auf diesen Gebieten zu forschen. Weiterhin beurteilt es Entwicklungen in der Gentherapie.
Postexpositionelle Impfung Impfung nach Kontakt mit infizierten Personen, die die weitere Ausbreitung einer Infektionskrankheit verhindern soll.
Prophylaxe Vorbeugende Maßnahme (gegen Erkrankungen). Prophylaktisch wirken zum Beispiel Schutzimpfungen gegen Infektionskrankheiten.
Robert Koch-Institut (RKI) Wissenschaftliches Institut mit den Aufgaben, das Auftreten von Krankheiten und Gesundheitsgefahren in der Bevölkerung zu beobachten, daraus erforderliche Maßnahmen abzuleiten und zu begründen sowie gentechnische Arbeiten und umweltmedizinische Einflüsse zu bewerten. Das RKI erfüllt zahlreiche Aufgaben für das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS).
Schutzimpfung Erzeugung einer Immunität durch Gabe von lebenden, abgeschwächten oder toten Mikroorganismen oder von inaktivierten krankheitserregenden Giftstoffen.
Seuche Erkrankung vieler Menschen an der gleichen Infektionskrankheit. Formen sind die Epidemie, Endemie und Pandemie.
Ständige Impfkommission (STIKO) Expertenkommission am Robert-Koch-Institut, die in regelmäßigen Abständen wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zu Impfungen abgibt.
Tot-Impfstoff
Ein Impfstoff, der chemisch so behandelt wurde, dass die Krankheitsauslöser weder die jeweilige Krankheit auslösen noch sich vermehren können.
Riegelungsimpfung Impfung von nicht oder nicht vollständig geimpften Personen in Gemeinschaftseinrichtungen, wenn eine Infektionskrankheit ausgebrochen ist. Diese Impfung soll der weiteren Ausbreitung der Krankheit einen Riegel vorschieben.
Vakzine Impfstoff
Vakzination Historisch die Bezeichnung für die Kuhpockenimpfung, seit Pasteur (1881) die Bezeichnung für Schutzimpfungen.
Virus Mikroorganismus, der zum Wachstum und zur Vermehrung andere Organismen braucht. Das Virus dringt in die Wirtszellen ein und benutzt deren Enzyme, um sich zu vermehren. Viren sind häufige Krankheitserreger.
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Quellen:
Was schützt im Winter vorm Infekt? MMW - Fortschritte in der Medizin 41/2005
Influenza - RKI-Ratgeber-Infektionskrankheiten (2006), Robert Koch-Institut
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