COPD – das typische Raucherleiden
In Deutschland gibt es acht Millionen Patienten mit COPD (engl. chronic obstructive pulmonary disease, dt. chronisch obstruktive Lungenerkrankung). Die COPD ist eine chronische Lungenkrankheit, bei der es durch eine chronische Bronchitis oder durch ein Lungenemphysem zur Einengung (Obstruktion) der Atemwege kommt.
Im Überblick
Die COPD ist schon heute die vierthäufigste Todesursache in den USA. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass sie im Jahr 2020 weltweit zur dritthäufigsten Todesursache werden wird. Vor allem ältere Menschen zwischen 50 und 70 Jahren sind von der Erkrankung betroffen. Zukünftig wird COPD wohl auch zunehmend Frauen und jüngere Menschen betreffen, da es in diesen Personenkreisen immer mehr Raucher gibt. Rauchen gilt als der wichtigste Risikofaktor für die COPD, aber auch für Lungenkrebs.
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Tatort Lunge: Angriff auf empfindliche Bläschen
In der Lunge findet der Gasaustausch statt, also die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid. Der eingeatmete Luftsauerstoff wird von roten Blutkörperchen aufgenommen und zu den Körperzellen transportiert, wo er für die energieliefernden Prozesse, die in jeder Körperzelle ablaufen, benötigt wird. Bei diesen Prozessen werden als Endprodukte Kohlendioxid und Wasser gebildet, die durch Ausatmung wiederum über die Lunge abgegeben werden.
Die eingeatmete Luft gelangt zunächst in die Luftröhre (Trachea), die etwa 12 cm lang vom Kehlkopf hinunter in den Brustkorb zieht. In dem Mediastinum genannten Raum, der zwischen den beiden Lungenflügeln liegt, teilt sich die Luftröhre in die beiden Hauptbronchien. An der Lungenwurzel treten sie jeweils in einen der beiden Lungenflügel und teilen sich weiter in immer kleinere Bronchialäste, die Bronchiolen.
Am Ende dieser Äste schließlich sitzen die Lungenbläschen, die Alveolen, durch deren Wände Sauerstoff ins Blut aufgenommen und Kohlendioxid umgekehrt abgegeben wird. Für beide Lungen zusammen rechnet man zwischen 300 und 750 Millionen Lungenbläschen, die eine Fläche von ca. 200 m² für den Gasaustausch darstellen.
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Was heißt eigentlich COPD?
COPD steht für „chronic obstructive pulmonary disease“, auf deutsch: „chronisch obstruktive Lungenerkrankung“. Unter diesem Begriff werden zwei Krankheiten zusammengefasst:
- das Lungenemphysem und
- die chronische Bronchitis.
Beim Lungenemphysem ist die Lunge krankhaft überbläht, meist als Folge einer chronischen obstruktiven Bronchitis. Die chronische Bronchitis ist eine Dauerentzündung des Bronchialsystems.
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Charakteristisch für COPD: die Obstruktion
Charakterisiert ist die COPD durch eine Einengung der Atemwege, die sogenannte Obstruktion. Diese Verengung der Bronchien wird durch eine Verkrampfung der Bronchialmuskulatur (Bronchospasmus), durch ein Anschwellen der Bronchialschleimhaut und durch eine krankhaft erhöhte Schleimproduktion hervorgerufen. Die COPD ist eine chronische, nicht heilbare Krankheit, ihr Verlauf kann nur bedingt aufgehalten werden.
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Hauptrisikofaktor: Tabakrauch
Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor für COPD. Durch das Inhalieren von schädlichen Rauch- und Russpartikeln kommt es zu einer verstärkten Schleimproduktion. Die Flimmerhärchen auf der Schleimhautoberfläche werden geschädigt und können den überschüssigen Schleim nicht mehr abtransportieren. Der Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien ist weitgehend gestört und die schädigenden Substanzen können nur noch teilweise durch Husten aus den Bronchien entfernt werden. Infolgedessen können sich auf der inneren Lungenoberfläche Bakterien ansiedeln, die zu einer chronischen Entzündung führen können. Bei diesem Prozess werden eiweißverdauende Enzyme freigesetzt, die die oberste Zellschicht der Bronchien schädigen. Auch wird die feine Struktur der Lungenbläschen zerstört, es bildet sich ein sogenanntes Lungenemphysem.
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Kettenraucher sind am schlimmsten dran
80-85 Prozent aller Betroffenen mit COPD sind Raucher. Umgekehrt entwickeln ca. 15 Prozent aller Raucher eine COPD, bei starken Rauchern sogar bis zu 26 Prozent Für das COPD-Risiko spielt es also eine Rolle, wie viele Zigaretten täglich konsumiert werden. In Deutschland rauchen dem Mikrozensus von 2005 folgend etwa 32 % der Männer und 23 % der Frauen. Im Jahr 2003 gab es der Statistik des Jahrbuchs 2004 zufolge 140.000 Tote durch Tabakkonsum. Werden ungeborene Kinder oder Kleinkinder verstärkt Zigarettenrauch ausgesetzt, so kann dies dazu beitragen, dass sie später an COPD erkranken.
Zudem kann die Einwirkung bestimmter Stäube, Dämpfe und Gase die Entstehung der Lungenerkrankung unterstützen. Dieses Risiko ist wohl bei Männern wegen der entsprechenden Arbeitsplatzbelastung höher. Luftverschmutzung kann dazu beitragen, dass der Betroffene verstärkt unter seiner Erkrankung leidet, d.h. seine Symptome häufiger oder stärker auftreten.
Als weiterer Risikofaktor für COPD bzw. für ein Lungenemphysem gilt der Alpha1-Antitrypsinmangel. Bei diesem seltenen Defekt kommt es aufgrund eines Enzymmangels zur Zerstörung von Lungengewebe. Die Lungenbläschen lösen sich auf, es entstehen größere Lufträume, was im weiteren Verlauf zu einer Überblähung der Lunge führt.
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Glossar
Alpha-1-Antitrypsinmangel erblicher Stoffwechseldefekt, bei dem das Enzym Alpha-1-Antitrypsin fehlt; kann Ursache für die COPD sein.
Anticholinergika Medikamente zur Entspannung der Bronchien. Eingesetzt werden vor allem Ipratropium-, Oxitropium- und Tiotropiumbromid.
Bronchitis Entzündung der Bronchien, also einem Teil der luftleitenden Atemwege.
FEV1 Forciertes Einsekundenvolumen, Teil der Lungenfunktionsprüfung; bei dieser Messung wird bestimmt, wie viel Liter Luft in einer Sekunde maximal ausgeatmet werden können.
Halbwertszeit diejenige Zeit, nach der die Hälfte der verabreichten Menge eines Stoffes aus dem Körper ausgeschieden ist.
Lungenemphysem überdehnte und überblähte Lunge; es bilden sich immer größere Lungenbläschen bzw. die Wand der einzelnen Lungenbläschen wird zerstört. Langfristig kommt es so zu Sauerstoffmangel, da nicht mehr genügend Gasaustauschfläche vorhanden ist.
Methlyxanthine Pflanzenstoffe wie Koffein oder Theobromin (im Kakao) oder Theophyllin (in geringen Mengen in schwarzem Tee); diese Substanzen wirken entspannend auf die Bronchialmuskulatur und erweitern die Bronchien.
Nikotinersatz Bei der Raucherentwöhnung kann ein pharmakologischer Nikotinersatz wie Nikotinpflaster oder Kaugummi sehr hilfreich sein.
Obstruktion Einengung der Atemwege; typisches Zeichen der COPD
Peak-Flow-Messung Messung des Spitzenfluss, d.h. der maximalen Strömungsgeschwindigkeit der Atemluft während des Ausatmens; der Peak-Flow-Wert kann schon früh auf eine COPD hindeuten, wobei der persönliche Bestwert als Referenz gilt.
Plethysmographie auch Ganzkörper-Plethysmographie genannt; medizinische Untersuchung zur genauen Beurteilung der Lungenfunktion.
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